Interview: Gymnasium trotz Down-Syndrom?

Henri darf nicht aufs Gymnasium. Die Eltern des Elfjährigen mit Down-Syndrom wollten, dass er die weiterführende Schule am Heimatort Walldorf in Baden-Württemberg besucht. Im Gespräch mit katholisch.de plädiert Andreas Lob-Hüdepohl, Professor für theologische Ethik an der Katholischen Hochschule für Sozialwesen Berlin, für inklusive Schulen und zeigt auf, wo sich das bestehende System ändern muss.

Frage: Kann ein Kind mit Down-Syndrom aufs Gymnasium, wo es Gedichte interpretieren muss, wo Kurven diskutiert und chemische Gleichungen gelöst werden?

Lob-Hüdepohl: Nein und ja. Nein, wenn es darum gehen soll, dass ein Mensch mit sogenannter geistiger Beeinträchtigung an den gleichen Lernzielen gemessen wird wie alle übrigen Klassenkameradinnen und Klassenkameraden. Hier wird man nur in den seltensten Fällen sagen können, dass Menschen mit Beeinträchtigungen, etwa mit Down-Syndrom, dieselben Lernziele verfolgen können wie andere Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums. Weiterlesen

Fachkräfte – In der Rolle des Gottesarbeiters

Im Alltag stellt sich den Mitarbeitenden wie auch den Nutzern von Diensten und Einrichtungen immer wieder die Frage, was das spezifisch Christliche in der Sozialen Arbeit ausmacht:

  • … dass caritative Berufe die Hilfebedürftigen nicht kleinhalten?
  • … dass sie ressourcenorientiert die Hilfebedürftigen zu einer möglichst selbstständigen und eigenverantwortlichen Lebensführung befähigen?
  • … dass sie soziale Ausgrenzungen auch über Veränderungen aufseiten der Normalgesellschaft überwinden wollen?

Solche und ähnliche Fragen müssen wir mit einem klaren Nein beantworten, wenn wir spezifisch christlich ausschließlich exklusiv verstehen; wenn wir also behaupten würden, ausschließlich Sozialberufe in kirchlicher Trägerschaft könnten zu solchem frei machenden caritativen Tun am hilfsbedürftigen Nächsten in der Lage sein. Schon unsere alltägliche Erfahrung lehrt, dass ein solcher Exklusivanspruch christlicher Caritas völlig überzogen wäre und die sozialberuflichen Anstrengungen anderer nichtchristlicher Personen und Träger in unerträglicher Weise kleinreden und gering schätzen würde.

Aber: Spezifisch christlich müssen wir nicht automatisch exklusiv verstehen. Wir können es auch inklusiv verstehen: Dieses und jenes gehört unbedingt zu einem sozialen Beruf dazu, wenn er ein spezifisch christliches Profil besitzen soll. Und dieses proprium inclusivum sehe ich mit Blick auf Sozialberufe in kirchlicher Trägerschaft in dreierlei Hinsicht: Weiterlesen

„Allen Menschen zur Solidarität verpflichtet“

Theologe spricht sich für einen Schuldenerlass auch auf EU-Ebene aus
Andreas Lob-Hüdepohl im Gespräch mit Frank Meyer

Der Grundsatz gegensätzlicher Hilfe, wie er in der EU herrscht, schließe auch ein, für die Risiken der Mitgliedsländer zu haften, sagt Andreas Lob-Hüdepohl, Professor für theologische Ethik. Einen Schuldenschnitt begrüßt er – wenn dadurch der erhoffte Effekt eintritt.

Frank Meyer: Das Schuldenmachen ist etwas Positives, das bindet uns aneinander – das hat gestern die Rabbinerin Elisa Klapheck hier bei uns gesagt im einem Gespräch über Schuld und Schulden. Dieses Gespräch führen wir jetzt weiter mit Andreas Lob-Hüdepohl. Er ist Professor für theologische Ethik an der katholischen Hochschule für Sozialwesen in Berlin, seien Sie uns willkommen. Weiterlesen

Aufbrüche: Eichstätter Professoren widmen „ihrem“ scheidenden Präsidenten einen Abschiedsband

In fünfzehn Beiträgen stellen Mitarbeiter der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt anlässlich der Verabschiedung von Andreas Lob-Hüdepohl als Präsident aus den Perspektiven ihrer Disziplinen Auf- und Umbrüche in unterschiedlichsten Bereichen dar – in Religion, Politik, Geschichte und Gesellschaft, in Archäologie und Kunstgeschichte, Sprache und Literatur.

Die Autoren schreiben zu ihrem Band:

Zwei Jahre lang hat Andreas Lob-Hüdepohl die Entwicklung der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt als deren Präsident mit großem persönlichem Einsatz vorangetrieben, Geist und Stimmung eines Aufbruchs verbreitet und eine Institution zu produktiver Unzufriedenheit mit sich selbst aufgerufen. Die Autoren und Autorinnen dieses Bandes, die ihn in dieser Zeit als Weggefährten, Freunde und Kollegen begleitet haben, möchten ihm dafür danken. Sie spiegeln nicht nur Facetten des Themas, sondern liefern auf diese Weise auch einen Ausschnitt aus dem Spektrum der Fächer und Profile unserer Universität, von der wir hoffen, dass der scheidende Präsident ihr weiter verbunden bleiben möge.

Heiner Böttger/Gabriele Gien/Thomas Pittrof (Hrsg.)
© 2011 Eichstaett Academic Press UG
ISBN: 978-3-943318-03-6
Inhaltsverzeichnis: Aufbürche
Url: http://edoc.ku-eichstaett.de/9703/