„Ehrenamt ist Gold im Land!“

Zur Kritik bürgerschaftlichen Engagements im Kontext der Behindertenhilfe

Abstract

Auch das Ehrenamt im Bereich des Gesundheits- und Sozialwesens hat in den letzten Jahrzehnten einen tiefgreifenden Strukturwandel erfahren. Im Zuge dessen gilt Bürgerschaftliches Engagement heute als Garant für die humane Zivilität moderner Gesellschaften. Gerade im Bereich der Behindertenhilfe ist freilich zu fragen, ob es dem Anspruch der Behindertenhilfe – von einer vormundschaftlich betreuenden zu einer menschenrechtlich assistierenden Profession – gerecht werden kann. Dabei darf keinesfalls allein auf die Motivation des ehrenamtlich Helfenden abgehoben werden. Oberstes Prinzip ist auch hier die Verträglichkeit bürgerschaftlichen Engagements mit dem Selbstbestimmungsrecht des Menschen mit Assistenzbedarf.
Auf der Grundlage eines menschenrechtsbasierten Verständnisses von Inklusion, wie es prominent die Behindertenrechtskonvention von 2016 entwickelt, werden zudem die Konturen eines zweiten Strukturwandels des Ehrenamtes erkennbar. Im Mittelpunkt dieses Strukturwandels steht nicht nur das bürgerschaftlichen Engagement für, sondern dasjenige durch die Menschen mit Assistenzbedarf selbst. Es ist dieses verzahnte, ineinandergreifende bürgerschaftliche Engagement von Menschen mit und ohne besonderen Assistenzbedarf, das eine zentrale Intuition inklusiv-partizipativer Gesellschaften zur Geltung bringt: die Erfahrung menschlicher Würde durch Selbstwirksamkeit und einen starken Sinn der Zugehörigkeit (‚enhanced sense of belonging‘).

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Widerstand gegen Rechtsextremismus – eine Christenpflicht

Die Kirchen übernehmen ›hochoffiziell‹ Verantwortung: »Wer die Würde und
das Recht von Menschen missachtet, wer andere Menschen hasst, verletzt oder
gar ermordet, der handelt gegen den Willen Gottes.« So urteilen gemeinsam der
Ratsvorsitzende der EKD und der Vorsitzende der DBK anlässlich der zentralen
Gedenkfeier für die Ermordeten des »Nationalsozialistischen Untergrunds« im
Frühjahr 2012. Und weiter: »Gemeinsam müssen wir Ausgrenzung und Hass
überwinden und zu Frieden befähigen. (…) Es geht darum, den Auftrag Jesu zur
Nächstenliebe umzusetzen. Gerade Menschen anderer Herkunft und anderen
Glaubens brauchen unsere besondere Fürsorge und unseren Einsatz.«

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„Sich Gesellen zum Menschen“ – die Kirchen und ihr Beitrag im Community Organizing

I.

Vor genau siebzig Jahren schrieb der Jesuit und Widerständler Alfred Delp SJ kurz vor seiner Hinrichtung in Plötzensee den Kirchen einen Appell in ihr Stammbruch, der bleibend aktuell ist. Die Zukunft der Kirchen, war er angesichts ihres Versagens vor dem alles vernichtenden NS-Terror überzeugt, hänge von ihrer konsequenten „Rückkehr in die Diakonie“ ab. Darunter verstand Alfred Delp

das Sich-Gesellen zum Menschen in allen seinen Situationen mit der Absicht, sie ihm meistern zu helfen, ohne anschließend eine Spalte oder Sparte auszufüllen. Damit meine ich das Nachgehen und Nachwandern auch in die äußersten Verlorenheiten und Verstiegenheiten des Menschen, um bei ihm zu sein dann, wenn ihn Verlorenheit und Verstiegenheit umgeben. ‚Geht hinaus‘ hat der Meister gesagt, und nicht: ‚Setzt euch hin und wartet ab, ob einer kommt‘. Damit meine ich auch die Sorge um den menschentümlichen Raum und die menschenwürdige Ordnung. Es hat keinen Sinn, mit einer Predigt- und Religionserlaubnis, mit einer Pfarrer- und Prälatenbesoldung zufrieden die Menschheit ihrem Schicksal zu überlassen.1

Als Papst Benedikt XVI. bei seinem Deutschlandbesuch 2011 die Kirche zu einer konsequenten Entweltlichung aufrief, schien er diesen emphatischen Appell zur konsequenten Einmischung der Kirche in die Welt zugunsten der An-den-Rand-Gedrängten zu dementieren. Weiterlesen

„Mittendrin statt nur dabei! – Inklusion als menschenrechtliche Forderung“

„Mittendrinn statt nur dabei – Inklusion als menschenrechtliche Forderung“ des Franziskuswerks Schönbrunn

„400 Zuhörer bei einem Vortrag zum Thema Inklusion – das ist ein Riesenerfolg, zeigt aber auch, wie groß die Verunsicherung bei diesem Thema ist“, sagte Markus Tolksdorf, Geschäftsführer des Franziskuswerks Schönbrunn, am vergangenen Mittwoch im Anschluss an die Ausführungen von Prof. Andreas Lob-Hüdepohl, Professor für theologische Ethik an der Katholischen Hochschule für Sozialwissenschaften in Berlin, in der ASV-Halle in Dachau. Unter dem Titel „Mittendrin statt nur dabei- Inklusion als menschenrechtliche Forderung“ hatte Tolksdorf gemeinsam mit Landrat Stefan Löwl,  Dachaus Oberbürgermeister Florian Hartmann, dem Geschäftsführer der Caritaszentren Region Nord Axel Hannemann, und Kathrin Klaffl vom Diözesan-Caritasverband eingeladen, um die Entwicklung des Landkreises Dachau zu einem inklusiven und damit für alle Menschen lebenswerten Ort weiter voranzutreiben. Weiterlesen