Rechtspopulisten auch unter Katholiken?

Interreligiöse Konferenz zu „Fremdenfeindlichkeit und Populismus“

Andreas Lob-Hüdepohl (Mitglied der deutschen Sektion Justitia et Pax) im Interview mit DOMRADIO.DE

Rechtspopulistische Kräfte im Kontext weltweiter Migration lautete das Thema einer interreligiösen Konferenz im Vatikan. Gibt es also auch Fremdenfeindlichkeit bei Katholiken? Die Antwort darauf fällt eindeutig aus und ist doch widersprüchlich.

DOMRADIO.DE: Der Präsident der Evangelischen Kirche hat, wie Sie, auch am Kongress teilgenommen und betont, Kirche müsse sich zu Migration politisch äußern. Warum muss die Kirche das tun?

Andreas Lob-Hüdepohl (Mitglied der deutschen Sektion Justitia et Pax): Weil das Evangelium auch eine politische Dimension hat und uns dazu aufruft, Menschen, die in Not geraten sind, mit Barmherzigkeit entgegen zu kommen. Das bedeutet, ihnen Schutz und Heimat zu geben. Das ist nicht loszulösen von der Öffentlichkeit – das nennt man Politik. Insofern: Kirche muss das tun, weil das Evangelium eine politische Dimension hat. Weiterlesen

Ein Lob dem Imperfekten

Manch einer mag es auf den ersten Blick für ­Ironie oder gar Zynismus halten: Ein Lob dem Imperfekten? Steht das Unvollkommene unseres Lebens nicht gerade für das schmerzhaft Fehlerhafte, für Leid, Schuld und Versagen, kurz: für die hässlichen Narben im Antlitz von Gottes ansonsten guter Schöpfung? Will ein Lob dem Imperfekten nicht einfach über das Schmerzhafte hinwegtäuschen, ja uns womöglich nur gefügig machen, damit wir uns mit den Ärgerlichkeiten und Zumutungen unseres Lebens »lammfromm« abfinden und jede Gegenwehr im Keim ersticken? Zugegeben, ein Lob dem Imperfekten könnte in dieser Weise missverstanden werden. Aber es kann auch auf etwas Gegenteiliges hinweisen.

Dieses Andere deutet sich bereits in der alltagssprachlichen Bedeutung der Wörter perfekt und imperfekt an. Perfekt steht für ausgereift, makellos, vollendet; aber eben auch für abgeschlossen, fixiert, unveränderbar. Das Imperfekte hingegen steht zunächst für unausgereift, unzulänglich, entwicklungsbedürftig. Aber es steht auch für unabgeschlossen und damit entwicklungsfähig und gestaltungsoffen! Und darauf kommt es seinem Lob genau an: In der Unabgeschlossenheit, ja vielleicht gerade in der Zwiespältigkeit unseres Lebens will es unsere Lebensgeschichte offenhalten; offenhalten für Entwicklungen und Veränderungen, offenhalten für befreiende Begegnungen und heilsame Beziehungen; offenhalten für all das überraschend Neue, das uns in unserer Lebensgeschichte widerfahren kann.

Dem Leben zugewandt

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Interview: „Abtreibung ist keine normale medizinische Leistung“

Nach dem Rückzieher der SPD ist klar: Das Werbeverbot für Abtreibungen bleibt. Moraltheologe Andreas Lob-Hüdepohl freut sich darüber. Im Interview erklärt er, warum es das Werbeverbot braucht.

Es war eine überraschende Entscheidung: Am Dienstag hat die SPD-Bundestagsfraktion ihren Gesetzentwurf zur Abschaffung von Paragraph 219a zurückgezogen. Der Paragraph aus dem Strafgesetzbuch regelt das Werbeverbot für Abtreibungen. CDU und CSU wollen dieses Werbeverbot beibehalten, die SPD eigentlich nicht. Wohl mit Blick auf den Frieden in der Großen Koalition haben die Sozialdemokraten aber vorerst klein beigegeben; nun soll stattdessen die neue Bundesregierung einen Kompromiss erarbeiten. Im Interview mit katholisch.de spricht der Berliner Moraltheologe Andreas Lob-Hüdepohl, der auch Mitglied im Deutschen Ethikrat ist, über die aktuelle Debatte.

Frage: Professor Lob-Hüdepohl, die SPD hat ihren Gesetzentwurf für eine Änderung von Paragraph 219a am Dienstag überraschend zurückgezogen. Sind Sie froh, dass das Werbeverbot für Abtreibungen damit vorerst unangetastet bleibt?

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Wem das nicht schmeckt

Zum Fall der Essener Tafel: Besonders verletzliche Menschen zu bevorzugen ist moralisch legitim, ja sogar geboten – auch, wenn sich in der Konsequenz andere hinten anstellen müssen

Alexander Dobrindt hat jüngst die Entscheidung der ‚Essener Tafel‘, vorerst nur deutschen Staatsbürgern eine Berechtigungskarte zur Nutzung ihrer Nahrungsmittelausgabe auszuhändigen, mit der Begründung verteidigt, jene schützen zu müssen, „die angestammt berechtigt sind“. „Angestammt berechtigt“ – das steht für „Etabliertenvorrechte“: Zuerst bekommen die, die schon lange oder schon immer dazugehören. Neuankömmlinge, etwa Geflüchtete oder aus anderen Gründen Hinzugezogene, mögen zwar auch bestimmte Rechte auf Unterstützung besitzen. Aber sie müssen sich gedulden, bis die Bedürfnisse der „Etablierten“ befriedigt, und sie an der Reihe sind. Es gilt die Devise: Hinten anstellen!

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