Interview: „Sachlichkeit extrem wichtig“

Andreas Lob-Hüdepohl verteidigt das Papier der Bischofskonferenz zum Rechtspopulismus im Interview. Von Sebastian Sasse

Herr Professor Lob-Hüdepohl, Sie haben die Arbeitshilfe der Bischofskonferenz zum Thema „Rechtspopulismus“ konzipiert. Der Arbeitskreis der „Christen in der AfD“ hat in Reaktion darauf den Bischöfen einen Dialog angeboten. Sollten die Bischöfe darauf eingehen?

Die Bischöfe können nicht nur mit Rechtspopulisten reden, sondern sie müssen es sogar. Immerhin sind sie gewissermaßen von Amts wegen Brückenbauer in Kirche und Gesellschaft. Allerdings denke ich hier eher an den Dialog mit jenen Menschen, die etwa durch ihre Wahlentscheidungen oder ihre Haltung gegenüber bestimmten Gruppen in der Gesellschaft rechtspopulistische Einstellungen einnehmen. Weiterlesen

Interview: „Im Sinne der katholischen Kirche“

Ethikratsmitglied Lob-Hüdepohl zum neuen Organspende-Gesetzesentwurf

Ein am Montag vorgelegter fraktionsübergreifender Gesetzentwurf zur Organspende setzt auf freiwillige und bewusste Entscheidung. Zustimmung dazu kommt von Theologe und Ethikratsmitglied Andreas Lob-Hüdepohl.

DOMRADIO.DE: Der bisherige Gesetzentwurf von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und anderen Abgeordneten, fordert die Einführung einer Widerspruchslösung. Danach gälte grundsätzlich jeder als potenzieller Organspender, es sei denn, er hat dem zu Lebzeiten ausdrücklich widersprochen. Nun gibt es einen neuen Vorschlag von Bundestagsabgeordneten von Union, SPD, Grünen, Linkspartei und FDP. Was beinhaltet dieser neue Entwurf?

Dr. Andreas Lob-Hüdepohl (Theologe, Sozialethiker und Mitglied des Deutschen Ethikrats): Der zweite Gesetzentwurf fordert, dass tatsächlich jeder konfrontiert wird mit der Frage, ob er zustimmen oder ablehnen will. Man nennt diese Lösung auch eine Entscheidungslösung. Und diese Entscheidung soll immer wieder bei ganz bestimmten Besuchen von Behörden oder beim Hausarzt aktiv angesprochen werden. Das ginge über das bislang geltende Recht – nämlich die erweiterte Zustimmungslösung – hinaus. Ich sage das sehr deutlich: Ich begrüße einen solchen Vorstoß, weil er nämlich die Nachteile des Gesetzentwurfs von Herrn Spahn, also die Widerspruchslösung, vermeidet. Weiterlesen

Interview: „Die Kinder hat keiner gefragt“

Forderung nach Konsequenzen aus „Designerbaby-Züchtung“ – Ein Interview mit Prof. Dr. Andreas Lob-Hüdepohl (Professor für Theologische Ethik und Mitglied im Deutschen Ethikrat)

In China sollen Zwillinge mit gentechnisch verändertem Erbgut zur Welt gekommen sein. Gefragt wurden sie nicht, ob sie das wollten. Wie auch? Genau darin sieht Ethikrat-Mitglied Andreas Lob-Hüdepohl einen moralischen Knackpunkt.

DOMRADIO.DE: Eigentlich gäbe es doch nichts daran auszusetzen: Menschen, die vielleicht an einer Erbkrankheit oder einer Immunschwäche leiden könnten, wird Gesundheit beschert. Das ist doch nichts Schlimmes, oder?

Prof. Dr. Andreas Lob-Hüdepohl (Professor für Theologische Ethik und Mitglied im Deutschen Ethikrat): Das ist überhaupt nichts Schlimmes. Das Ziel ist durchaus löblich. Allerdings sind die gewählten Mittel zur Erreichung eines solchen grundsätzlich guten Zieles völlig inakzeptabel. Zumindest das, was wir jetzt als Mutmassungen aus China hören.

Von einem christlichen Standpunkt aus betrachtet, sind nämlich Keimbahn-Therapien grundsätzlich nicht verwerflich, wenn sie zur Verhinderung eines schweren Übels geeignet sind. Das setzt aber drei Dinge voraus. Weiterlesen

Interview: Rechtspopulisten auch unter Katholiken?

Interreligiöse Konferenz zu „Fremdenfeindlichkeit und Populismus“

Andreas Lob-Hüdepohl (Mitglied der deutschen Sektion Justitia et Pax) im Interview mit DOMRADIO.DE

Rechtspopulistische Kräfte im Kontext weltweiter Migration lautete das Thema einer interreligiösen Konferenz im Vatikan. Gibt es also auch Fremdenfeindlichkeit bei Katholiken? Die Antwort darauf fällt eindeutig aus und ist doch widersprüchlich.

DOMRADIO.DE: Der Präsident der Evangelischen Kirche hat, wie Sie, auch am Kongress teilgenommen und betont, Kirche müsse sich zu Migration politisch äußern. Warum muss die Kirche das tun?

Andreas Lob-Hüdepohl (Mitglied der deutschen Sektion Justitia et Pax): Weil das Evangelium auch eine politische Dimension hat und uns dazu aufruft, Menschen, die in Not geraten sind, mit Barmherzigkeit entgegen zu kommen. Das bedeutet, ihnen Schutz und Heimat zu geben. Das ist nicht loszulösen von der Öffentlichkeit – das nennt man Politik. Insofern: Kirche muss das tun, weil das Evangelium eine politische Dimension hat. Weiterlesen

Ein Lob dem Imperfekten

Manch einer mag es auf den ersten Blick für ­Ironie oder gar Zynismus halten: Ein Lob dem Imperfekten? Steht das Unvollkommene unseres Lebens nicht gerade für das schmerzhaft Fehlerhafte, für Leid, Schuld und Versagen, kurz: für die hässlichen Narben im Antlitz von Gottes ansonsten guter Schöpfung? Will ein Lob dem Imperfekten nicht einfach über das Schmerzhafte hinwegtäuschen, ja uns womöglich nur gefügig machen, damit wir uns mit den Ärgerlichkeiten und Zumutungen unseres Lebens »lammfromm« abfinden und jede Gegenwehr im Keim ersticken? Zugegeben, ein Lob dem Imperfekten könnte in dieser Weise missverstanden werden. Aber es kann auch auf etwas Gegenteiliges hinweisen.

Dieses Andere deutet sich bereits in der alltagssprachlichen Bedeutung der Wörter perfekt und imperfekt an. Perfekt steht für ausgereift, makellos, vollendet; aber eben auch für abgeschlossen, fixiert, unveränderbar. Das Imperfekte hingegen steht zunächst für unausgereift, unzulänglich, entwicklungsbedürftig. Aber es steht auch für unabgeschlossen und damit entwicklungsfähig und gestaltungsoffen! Und darauf kommt es seinem Lob genau an: In der Unabgeschlossenheit, ja vielleicht gerade in der Zwiespältigkeit unseres Lebens will es unsere Lebensgeschichte offenhalten; offenhalten für Entwicklungen und Veränderungen, offenhalten für befreiende Begegnungen und heilsame Beziehungen; offenhalten für all das überraschend Neue, das uns in unserer Lebensgeschichte widerfahren kann.

Dem Leben zugewandt

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